Presse

Stückerlweis - Janika B., Bloggerin Internet:

"... Das Buch ist nicht nur ein Krimi der spannend daherkommt und sich sicherlich auch gut als Tatort machen würde ..."

 

Andechser Tod - AZ München:

"... Michael Gerwien, der hier Satire, Krimi und außerirdischen Spuk zu einem sehr unterhaltsamen Roman zusammenmischt ..."

 

Alpentod - Kreisbote Garmisch-Partenkirchen:

"...Gerwien ist ein geschickter Schreiber ..."

 

Alpentod - Garmisch-Partenkirchener Tagblatt:

"... Krimiluft in Mittenwald - Herz, was willst du mehr ..."

 

Mordswiesn - Buch aktuell:

"... Immer wieder überraschend und bis zum Ende spannend ..."

 

Alpengrollen - Schwäbische Zeitung:

"... Ein gelungenes Debüt ..."

 

Alpengrollen - Tirolerin, die Illustrierte:

" ... humorvoll und pointiert ..."

 

Isarhaie - Münchner Merkur:

"... eine spannende, kurzweilige dritte Fortsezung ..." 

 

Isarblues - Tiroler Zeitung:

"... zum gern lesen ..."

Leseprobe >Schattenrächer<:

Die Kakerlake, die er seit einiger Zeit beobachtete, erklomm Wolfs linken Handrücken. Als sie den blutigen Verband an seinem abgeschnittenen Zeigefinger erreichte, hielt sie inne. So, als schnupperte sie daran.
Konnten Kakerlaken riechen?
Mühsam hob er seine Rechte ein Stück weit an, um sie zu verscheuchen.

Sinnlos. Zu wenig Kraft. Er ließ seinen Arm erschöpft auf den Boden zurücksinken.
Sie machte sich weiter an seinem Verband zu schaffen.
Hoffentlich rief sie nicht auch noch ihre Freunde herbei.
Was fraßen die Dinger eigentlich? Fleisch?
Wo zum Teufel war er nur?
Er blickte geradeaus über das hässliche Kleintier mit den langen Fühlern hinweg. Erkannte eine schräg daliegende eingefallene Hausmauer im fahlen Mondlicht. Ansonsten herrschte nahezu völlige Dunkelheit. In seinem Gedächtnis sah es nicht viel anders aus.
Falsch.
Langsam erinnerte er sich wieder. Eine Bar, laute Musik, blitzende Goldzähne.

Ein Fest der Einheimischen. Frauen in rot-weißen Trachten, Männer im dunklen Anzug, später am Abend Fado-Gesang.
Lissabon, Portugal.
Alles andere fiel ihm ebenfalls wieder ein. Er kam gestern Abend hier an. Nach seiner gelungenen Flucht aus Deutschland
quer durch Frankreich und Spanien.
In Sicherheit war er deshalb allerdings noch lange nicht.
Bestimmt suchte ihn die Polizei. In München hatten sie sicher Interpol eingeschaltet. Wollten garantiert ihm den Mord an seiner Frau Rebekka in die Schuhe schieben. Verdächtigten ihn des Mordes an diesem Amerikaner Summer und an Rebekkas Killer Nobody. Dabei war es beide Male Notwehr gewesen.
Doch das wusste nur er.
Er rätselte, wieso um alles in der Welt er hier im Staub lag. Unter größter Anstrengung tastete er nach seiner Geldbörse in der Gesäßtasche seiner Jeans.
Hielt inne. Sie war leer.
Er suchte weiter. Nichts.
Verdammt. Kreditkarten, Scheckkarten, Personalausweis. Alles war darin gewesen.

 

Leseprobe >Schattenkiller<:

»Wie viel?«, wollte der Chef von Gunther Gräber wissen.
»Bei 5.000.000 Euro haben wir aufgehört, wie abgemacht. Er wollte nichts davon wissen.«
»Und?«
»Wir haben ihm ein bisschen Angst gemacht.«
»Angst gemacht? Wieso? Ihr solltet ihm Geld anbieten, sonst nichts.«
»Aber er wollte doch kein Geld.« Gunther zuckte die Achseln. Unwillkürlich. Natürlich würde es der Chef nicht sehen. Er war in seinem Büro am anderen Ende der Leitung.
»Na und? Da geht man eben wieder und wartet auf neue Instruktionen.«
»Aber sagten Sie nicht selbst, wir sollten ihm Druck machen?« Er hatte sich das doch nicht eingebildet. Der Chef hatte es klar und deutlich so gesagt. Verdammt noch mal. Erst wurden einem Befehle gegeben und danach wurden sie abgestritten.
»Was ist? Hat er geredet, eingewilligt?«, wollte der Chef wissen, anstatt zu antworten.
»Eher nicht. Er kam nicht mehr dazu.«
»Was heißt das?«
»Na ja … also … ich glaube, er bewegt sich nicht mehr.«
»Du glaubst, er bewegt sich nicht mehr? Was ist das denn schon wieder für eine Scheiße? Bewegt er sich oder nicht?«
Der Chef hörte sich normalerweise nie besonders freundlich oder unfreundlich an. Eher neutral arrogant. Gerade klang er allerdings mehr als unfreundlich.
»Also, … eher nicht.«
»Eher nicht?«
»Sicher nicht.«
»Was jetzt? Eher nicht oder sicher nicht?«
»Na ja … also … der ist wohl … eher hin, sozusagen.«
»Hin? Tot etwa? Spinnst du?«

Leseprobe >Stückerlweis<:

»Eine Matschleiche auf den Gleisen. Das hat mir heute gerade noch gefehlt«, stöhnte der kurz gewachsene übergewichtige Hauptkommissar Franz Wurmdobler, während er mit seinem durchtrainierten mittelgroßen Kollegen, Kommissar Bernd Müller, den Unfallort erreichte.

Zuerst war sein Auto in der Früh nicht angesprungen. Dann hatte er in der Kantine keinen Schweinsbraten mehr bekommen, weil er eine Minute zu spät dran war. Nach der Mittagspause hatte ihn der Chef zur Minna gemacht, weil die letzte Reisekostenabrechnung angeblich minimal nicht gestimmt hatte. Und jetzt das.

»Das dritte Mal dieses Jahr«, fuhr er fort. »Scheint immer mehr in Mode zu kommen, sich auf diese Art umzubringen.« Er schüttelte genervt und erschüttert zugleich den haarlosen Kopf.

»Sein Name war Gerhard Bockler«, erwiderte Bernd, den die Kollegen auf dem Revier wegen seiner teils überharten, nicht immer ganz legalen Verhörmethoden auch den scharfen Bernd nannten. »Er war der Schuldirektor vom Pasinger Gymnasium. Vielleicht ein Burn-out. Kommt bei Lehrern immer häufiger vor, wie man hört.«

»Kannst du neuerdings hellsehen?« Franz zog erstaunt die Brauen hoch.

»Nein, noch nicht. Wieso?«

»Woher weißt du dann den Namen des Opfers?«

Leseprobe >Brummschädel<:

"Thomas?“ Gernot lag auf dem Rücken. Er öffnete langsam die Augen. „Bist du da?“

Er drehte seinen Kopf nach rechts und stellte fest, dass Tausende von winzigen Staubpartikeln den Fußboden bedeckten. 20 Zentimeter darüber erkannte er die Matratze eines Bettes auf ihrem Lattenrost. Von unten. War das sein Bett? Hatte er auf dem blanken Parkett daneben übernachtet? Was war geschehen? Wo verdammt noch mal war Thomas? Er drehte den Kopf auf die andere Seite. Nichts. Nur die weiß gestrichene Wand vor seinem Gesicht. Eine Fliege kletterte gerade etwas oberhalb seiner Blickrichtung daran empor.

Unter den pochenden Schmerzen in seinen Schläfen laut aufstöhnend erhob er sich und blickte sich um. Aha. Er befand sich tatsächlich in seinem Hotelzimmer. Die Sonne schien. Also war es Tag. Anzughose und Hemd hatte er an, seine Socken ebenfalls. Die dunkelblauen, die ihm Magda letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte. So weit hatte alles seine Richtigkeit. Aber war wirklich alles gut? Gestern hatte es hier ganz anders ausgesehen. Adrett, sauber und aufgeräumt, wie es sich für ein Münchner Hotelzimmer der oberen Preisklasse normalerweise gehörte. Doch nun lagen überall Bettwäsche, Essensreste und Kleidungsstücke von ihm verstreut. Es roch nach Erbrochenem.

„Thomas! Verdammt noch mal, wo bist du denn?“ Er stolperte quer durch den Raum zur offenen Balkontür hinüber. Nichts. Keine Spur von seinem Arbeitskollegen.

Leseprobe >Krautkiller<:

»Hilfe! Hilfe! Der Peter! Der Peter! Hilfe!« Die hübsche polnische Beiköchin des Chiemgauer Seehofs, Tanja Dimitrowsky, stürmte laut schreiend und wild gestikulierend aus dem Vorratsraum im Keller, der nur zwei Ecken weit von der Sauna entfernt lag. Dabei lief sie dem Exkommissar und jetzigen Privatdetektiv Max Raintaler und seinem Freund und Exkollegen Hauptkommissar Franz Wurmdobler direkt in die Arme.
Es war Montag früh. Beide hatten gerade ihren dritten Saunagang beendet und waren in Badehosen und weißen Hotelbademänteln auf dem Weg zum Hallenbad, das sich ebenfalls hier unten im Keller befand. Das Hotel war mit seinen 40 Zimmern nicht gerade groß, dafür aber sehr gepflegt, und überall im Haus herrschte eine sehr freundliche, familiäre Atmosphäre.
»Hoppala«, rief Franz, als Tanja gegen ihn und Max prallte. »Was ist denn passiert, junge Frau?« Er zog den Gürtel seines Bademantels enger und sah sie neugierig an.
»Genau. Und wer ist denn dieser Peter?«, erkundigte sich Max freundlich lächelnd.
»Der Peter ist … ist unser … unser Chefkoch, Peter Sollner«, stammelte sie aufgeregt, während sie fahrig ihre langen blonden Haare hinter die Ohren zurückstrich. »Er sitzt im Vorratsraum und rührt sich nicht.« Sie war leichenblass, stöhnte laut auf. Tränen stiegen ihr in die hellblauen Augen.
»Vielleicht schläft er ja. Obwohl … es ist gleich halb neun. Da sollte ein Koch eigentlich wach sein, wegen der ersten Vorbereitungen fürs Mittagessen.« Der kurz geratene, übergewichtige Franz nickte ihr aufmunternd zu. Der Schweiß lief ihm aus allen Poren. Sein Kopf hatte die Farbe einer gut gereiften Tomate. Er war immer noch völlig überhitzt.
»Oder er meditiert«, fügte der große durchtrainierte Max gutgelaunt hinzu.

Leseprobe >Jack Bänger<:

»Verdammte Scheiße!«

Der Wecker klingelte. Ich musste dringend aufstehen, die Arbeit rief. Um zehn Uhr hatte ich diesen gnadenlos wichtigen Termin mit der neuen Produktionsfirma im Norden der Stadt, bei der ich mein neues Projekt vorstellen sollte. Ein hübscher kleiner Nebenjob, bei dem es um sehr viel Geld ging, für sehr wenig Aufwand. Aber von all dem wusste ich im Moment nichts mehr. Ich öffnete ja gerade erst die Augen und blickte mich in meinem Schlafzimmer um, ganz vorsichtig, damit das hämmernde Stechen in meinen Schläfen nicht noch stärker wurde. Neben mir lag ein Körper, offensichtlich ein Häschen. Keine Ahnung, wie sie in mein Bett gekommen war, aber sie war da. Sie atmete, sie war blond und sie sah verdammt gut aus. Zumindest die Teile von ihr, die nicht von der Decke verborgen waren. Anscheinend hatte ich sie mit meinem Fluchen geweckt, denn sie schlug langsam ihre großen blauen Augen auf und lächelte.

»Guten Morgen, Jack.«
»Hallo, Schätzchen. Ich wüsste jetzt gar nicht … äh, wie du in mein Bett kommst?«
»So besoffen, wie du gestern warst, ist das auch kein Wunder. Wir haben uns am späten Abend im ›23‹ kennengelernt. Du wolltest unbedingt, dass ich noch mit zu dir komme. Ich heiße übrigens Manuela. Was du sicher auch vergessen hast.«
»Manuela. Aha!«

Natürlich hatte ich vergessen, wie sie hieß. Bevor ich sie gerade entdeckt hatte, hatte ich ja nicht einmal gewusst, dass es sie gab. »Haben wir …?«
»Was heißt hier, haben wir? Du warst doch zu nichts mehr imstande. Und das meine ich wörtlich.«
»Blödsinn.«
»Kein Blödsinn. Deine Nudel war schlapp wie gargekocht. « Sie grinste frech zwischen ihren langen Locken hervor.

Ich mag es nicht, wenn mir Leute am frühen Morgen vorwitzig kommen. Erst recht nicht, wenn sie mir dabei auch noch angebliche Schwächen meinerseits unter die Nase reiben und mich damit beleidigen. Klare Sache, dass ich ihr das unmöglich durchgehen lassen konnte. Ich lasse mich schließlich nicht zum Affen machen. Schon gar nicht von irgendwelchen halbgaren Hühnern, die ungefragt in meinen Federn herumliegen. Sobald ich vollständig wach war, würde mir sicher eine angemessene Strafe für sie einfallen.

Also stand ich erst mal auf und verfrachtete mich ins Bad. Rasieren, Dusche, Zähneputzen, Deo, das übliche Programm. Dabei fiel mir siedend heiß mein Termin bei dieser neuen Produktionsfirma wieder ein.

Leseprobe >Andechser Tod<:

»Hey, schaut mal, Leute! Das ist doch … ein … verdammt noch mal, da fliegt doch ein Ufo!« Hauptkommissar Franz Wurmdobler zeigte mit vor Aufregung wackelnden Backen in den sternenübersäten Nachthimmel.

»Blödsinn, Franzi. Das Einzige, was hier draußen um diese Zeit fliegt, sind die Mücken.« Exkommissar Max Raintaler, der gerade einen großen Schluck aus seiner Bierflasche gemacht hatte, schlug sich zum Beweis seiner These kräftig auf den Unterarm. »Scheißviecher!«, rief er dabei. »Habt ihr gewusst, dass die inzwischen auch in unseren Breitengraden die Malaria übertragen können?«

»Geh Schmarrn, Max. Du immer mit deiner Krankheitspanik. Wo ist ein Ufo, Franzi?« Der schnauzbärtige dunkelhaarige Torwart des Thalkirchner FC Kneipenluft, Josef Stirner, der ihnen, wie gewöhnlich in Jeans, Hemd und Sakko gekleidet, gegenübersaß, drehte sich neugierig um. »Ich sehe nichts.«

Josef hatte Max, seinen pfeilschnellen blonden Spielerkollegen beim FC, und den kleinen dicken Franz samt weiblichem Anhang auf das Maifeuer bei Machtlfing eingeladen. Es hatte sich so ergeben, weil er hier im Fünfseenland zwischen Starnberger See und Ammersee seit einem halben Jahr ein großes von seinem Vater geerbtes Anwesen bewohnte. Wegen der guten Landluft. Natürlich hatte der reiche Millionenerbe und alte Schulfreund der beiden, der in München-Thalkirchen sowie in Malibu zwei weitere sehr ansehnliche Villen besaß, erstklassige Ehrenplätze an einem gemütlichen lang gestreckten Biertisch nahe dem Feuer für sie alle besorgt.

Um sie herum tobte das Leben in der fast schon sommerlich warmen Samstagnacht. Ansässige Bauern, Besucher aus der Stadt, von gestern übriggebliebene Freaks, langhaarige Reggaetypen von gestern und heute, Punks in Lederjacken, Oberwichtige im Anzug oder in der Tracht, Arbeiter im Vollrausch, Akademiker im Vollrausch. Fantasievoll verkleidete Frauen, Männer, Alte, Junge. Hier war heute schätzungsweise alles, was in der nächsten Umgebung zwei Beine hatte und über 18 oder knapp darunter war, vertreten und feierte gemeinsam die Nacht der Hexen und des Aberglaubens, der Teufel und der Leidenschaft, des Tanzes und der Drogen, des Alkohols und des seit jeher bösen Erwachens danach: die Walpurgisnacht.

Leseprobe >Alpentod<:

Herrschaftszeiten! Was ist denn das schon wieder für eine Scheiße?“ Der blonde Münchner Exkommissar Max Raintaler mit den stahlblauen Augen fluchte wie ein Kesselflicker, als er dieselben öffnete und sah, dass er nichts sah. Was auch weiter kein Wunder war, denn um ihn herum herrschte nichts als absolute Dunkelheit. Etwas stach ihn in die linke Backe, sobald er sich auch nur einen Zentimeter bewegte. Er bekam fast keine Luft. Unter größter Anstrengung drehte er seinen Kopf. Dabei war ihm, als lastete eine Zentnerlast darauf. Danach spürte er denselben bohrenden Schmerz, den er gerade links bemerkt hatte, auf der rechten Seite seines Gesichts.

„Verdammt! So ein Mist!“ Es musste ein spitzer Stein oder die Oberfläche von einem Felsen sein, auf dem er lag. Er versuchte, seine Hände zu bewegen. Keine Chance, er hatte nicht das geringste Gefühl darin. Das Gleiche galt für seine Beine. Querschnittsgelähmt, kam es ihm. Was sonst? Alles vorbei. Blanke Panik jagte wie ein Stromstoß durch seinen Körper. Er zwang sich dazu ruhig zu bleiben, langsam zu atmen, versuchte, sich daran zu erinnern, was ihn in diese fatale Lage gebracht hatte.

Richtig. Gerade eben war er noch, wie so oft am Wochenende im Winter, mit seinem Freund und Vereinskollegen beim Thalkirchner FC Kneipenluft, dem grandiosen Torwart Josef Stirner, das Dammkar in Mittenwald hinuntergefahren. Freeriden vom Feinsten, genial. Frühmorgens, solang die anderen noch verschlafen beim Samstagsfrühstück saßen, bei strahlend blauem Himmel durch gut 30 Zentimeter hohen frischen Pulverschnee die ersten Spuren ziehen, das war purer Powderalarm! Das höchste aller Gefühle. Sogar jetzt noch, Ende Februar. Wer das Dammkar kannte, brauchte keine Rocky Mountains in Kanada mehr. Genauso wenig wie einen Helikopter. Hier wurde man ruckzuck in gut zehn Minuten mit der Gondel der Karwendelbahn hinaufgeschafft. Auf über 2.200 Meter. Von der Gipfelstation aus durchquerte man anschließend zuerst zu Fuß einen 400 Meter langen eiskalten Tunnel, wonach man auf der Rückseite des Berges wieder herauskam. Die mit sieben Kilometern längste Skiabfahrt Deutschlands führte dann von hier aus zwischen riesigen senkrechten Felswänden hinunter, immens steil, extrem gefährlich und immer schattig. Nur absolute Könner wie Max und Josef durften sich in dieses wilde, naturbelassene Terrain wagen. Jeder untrainierte Anfänger wäre rettungslos verloren gewesen.

Leseprobe >Wer mordet schon am Chiemsee?<:

Es war verdammt kalt an diesem Samstagabend Anfang Februar. Rudi trank einen Schluck Lambrusco und rutschte ein Stück tiefer in seinen Schlafsack hinein. Dann holte er die Dose Ölsardinen aus der Tasche, die ihm ein altes Mütterlein heute Mittag in die Hand gedrückt hatte, zog mit steifgefrorenen Fingern den Deckel ab und begann gierig zu essen. Der Streit, den er vorhin mit Theo gehabt hatte, ging im andauernd im Kopf herum. All die bösen Worte. All die grenzenlose Wut. War das wirklich nötig gewesen? Theo und er waren seit Jahren die besten Freunde, soweit man in ihrem Umfeld überhaupt von besten Freunden sprechen konnte. Letztlich kämpfte auf der Straße jeder für sich allein. Aber Theo und er, das war bisher immer die große Ausnahme gewesen.

Die Ölsardinen schmeckten gut, gaben ihm Kraft. Er spülte mit einem weiteren Schluck Lambrusco nach. Die beiden Zehen am rechten Fuß, die er sich vor drei Jahren erfroren hatte, taten ihm weh. Ein übles Stechen und Ziehen. Egal. Bald würde sowieso alles zu Ende sein. Die Lebenserwartung hier draußen war nicht besonders hoch. Das wusste er, seitdem er damit angefangen hatte, die Platte zu machen. Und jetzt war auch noch Theo weg. Gar nicht gut. Zu zweit konnten sie sich wesentlich besser vor Überfällen schützen als alleine. Alleine durftest du keinen tiefen Schlaf haben, sonst wärst du am nächsten Morgen entweder gar nicht mehr aufgewacht oder sie hätten dich bis auf die Unterhose ausgeraubt. Bestimmt wäre Theo bald zurück. Er war bisher noch jedes Mal zurückgekommen, wenn sie gestritten hatten. Verdammt noch eins, er musste einfach zurückkommen. Schließlich hatte er nur Theo. Was sollte er denn ohne ihn tun?

Dabei war der Grund für ihren Streit so banal gewesen. Theo hatte Rudi als Verlierer beschimpft, und Rudi wollte sich das nicht gefallen lassen. Er wäre kein Verlierer, er habe nur Pech gehabt, hatte er Theo geantwortet. Außerdem habe er keine Lust mehr, sich immer wieder dieselbe Scheiße anzuhören. Theo hatte daraufhin gemeint, wenn hier einer Scheiße erzählen würde, sei das Rudi und nicht er. Da war es Rudi zu bunt geworden. Er hatte Theo ein hirnloses besoffenes Arschloch genannt, woraufhin dieser wutentbrannt seine Sachen gepackt hatte und verschwunden war. Seitdem saß Rudi alleine auf ihrem Platz im Stadtpark, neben dem Gebüsch, gleich bei der großen Eiche. An ihren Stamm konnte man sich wunderbar anlehnen. Ganz so als hätte man einen Stuhl hier draußen. Die Büsche schützen vor dem kalten Wind, vor dem Eis und dem Schnee schützten sie nicht.

Leseprobe >Mordswiesn<:

„Country roads, take me home, to the place I belong …”

Das ganze Bierzelt dröhnte und wackelte, während Hunderte von Kehlen ihrer Sehnsucht nach West Virginia freien Lauf ließen. Exkommissar Max Raintaler wunderte sich wie schon so oft darüber, was all diese Menschen aus aller Herren Länder wohl dazu brachte, ausgerechnet in dem winzigen Appalachenstaat unweit der amerikanischen Ostküste ihre Heimat zu sehen. Wussten die denn nicht, wie ärmlich es dort zuging? Noch um vieles ärmlicher als irgendwo sonst in den USA, bis auf den Staat Mississippi vielleicht. West Virginia oder Fürstenfeld in Österreich, das waren seit Jahren die zwei mit Abstand beliebtesten Reiseziele der Oktoberfestgäste. Fast jeder, der hier zu Gast war, schien aus welchen Gründen auch immer unbedingt dorthin zu wollen.

Der sportliche blonde Urbayer schaute sich kopfschüttelnd um. Aber wieso kommt ihr dann alle jeden Herbst hierher nach München?, dachte er und gab sich gleich selbst die passende Antwort darauf: Weil unser Bier so gut schmeckt wie sonst nirgends und weil die Stimmung in unseren Bierzelten weltweit einfach einzigartig ist. Und natürlich weil es bei uns in Bayern sowieso am schönsten ist. Genau. Er grinste zufrieden.

Leseprobe >Isarhaie<:

Er beugte sich schwankend ein Stück weit hinab, um das Gesicht seines liegenden Gegenübers besser erkennen zu können. Als das kein befriedigendes Ergebnis erbrachte, beugte er sich noch etwas weiter hinunter, was er, im Nachhinein betrachtet, besser nicht getan hätte. Denn da die Untergiesinger Luft, wie auch überall sonst auf der Welt, keine Balken hatte, an denen er sich hätte festhalten können, verlor er dabei unweigerlich das Gleichgewicht und stürzte Kopf voraus und Hände nach hinten wie ein überdimensionaler Geier im Sturzflug zu Boden. Genau auf den Körper unter ihm.

„Hoppala, bitte um Entschuldigung!“, murmelte er gleich nach der weichen Landung erschrocken. Eilig stützte er sich irgendwo ab, um sich wieder aufzurichten. Dabei fiel ihm auf, dass die Brust, die er unter seiner rechten Hand spürte, eine weibliche sein musste. Neugierig blickte er ins Gesicht seines Hindernisses, das zum größten Teil von einem dichten Schopf roter Haare verborgen war, wie er jetzt aus der Nähe erkennen konnte, und fand seine Vermutung bestätigt. Er lag auf einer Frau.

„Verdammt, was ist denn das?“, fluchte er laut. „Die blutet ja wie ein Schwein … da am Hals. Ja, die Hölle! Und atmen tut sie auch nicht. Ja, Herrschaftszeiten, die ist doch … Dings … äh … tot, Raintaler, oder?“

Leseprobe >Isarblues<:

„Wie kann man dir ein Lied klauen?“, fragte Max weiter, während er sich vornahm, seine Augen vorsichtig wieder zu öffnen. Seine Lider klappten nach oben. Gott sei Dank, alles funktionierte noch.

„Ganz einfach“, entgegnete ihm Heinz, der über und über mit weißem Schaum bedeckt war. „Wenn du ein Lied komponierst und textest, hast du die Urheberrechte daran. Und wenn das Lied auf CD gepresst oder in der Öffentlichkeit gespielt wird, bekommst du Geld für diese Urheberrechte. Vorausgesetzt, du hast dein Werk bei der GEMA oder einer anderen Verwertungsgesellschaft angemeldet.“

„Logisch. Das weiß ich auch. Aber wie konnte man dir dein Lied klauen? Du als alter Profi meldest doch bestimmt jedes deiner Werke rechtzeitig an.“ Max schaute seinem Freund neugierig ins Gesicht.

„In diesem Fall tat ich das leider nicht. Als ich es damals vor fünf Jahren geschrieben hatte, dachte ich, dass es sowieso keine Chancen auf dem Markt hätte, und habe die Noten und die Demobänder davon einfach in meinen Schrank im Studio gelegt.“

„Und wann hast du bemerkt, dass man sie gestohlen hat?“ Genug Wasser, Raintaler. Sonst trocknet bloß deine Haut aus. Max drehte seine Dusche zu.

„Gestern Abend. Da hat eine junge Sängerin das Lied im Fernsehen gesungen. Burgl Schäfer heißt das kleine Miststück.“ Heinz blickte grimmig unter seinen nassen, roten Locken hervor.

„Dein Lied?“

„Mein Lied. Bis auf die letzte Note und den letzten Buchstaben. Es ist mir ein völliges Rätsel, wie sie dazu kommt.“ Heinz drehte ebenfalls das Wasser ab.

„Du kannst dich noch so gut daran erinnern, obwohl es jahrelang in deinem Schrank unbeachtet vor sich hingegammelt hat? Max machte ein ungläubiges Gesicht.

„Glaube mir, Max. Ich kenne alles, was ich jemals komponiert und getextet habe. Jede Note und jede Silbe. Das vergisst man nicht. Und ich schon gar nicht.“ Sie begaben sich gemeinsam in die stickige Garderobe zurück.

„Ach, wirklich? Und was soll ich jetzt konkret für dich tun?“, fragte Max, während er sich neben Heinz zu seiner Tennistasche setzte und seine Klamotten herauszerrte.

Leseprobe >Isarbrodeln<:

Max dachte daran, wie er ihn kennen gelernt hatte. Es war in seinen Anfangsjahren bei der Kripo gewesen. Giovanni hatte damals in einem kleinen Pizzastand in Schwabing gearbeitet und vergessen gehabt, Max die Salami auf seine Pizza zu legen. Der hatte sich natürlich darüber beschwert. Aber Giovanni hatte so getan, als hätte Max die Pizza genau so bei ihm bestellt, wie sie zwischen ihnen lag, ohne Salami. Max hatte daraufhin, obwohl er seit zwei Stunden außer Dienst war, seinen Polizeiausweis gezückt und ihm damit gedroht, die Bude zu schließen, wenn er nicht sofort seine Salami bekäme. Plus eine Entschuldigung. Als Giovanni ihm beides mit dem Hinweis darauf, dass Max selbst schuld wäre, wenn er nicht anständig bestellen könne, trotzig verweigerte, warf der wutentbrannt seine salamilose Pizza an die hintere Wand des kleinen Verkaufsraums. Daraufhin entstand zuerst ein Riesentumult, gespickt mit den phantasievollsten Beschimpfungen auf beiden Seiten, wobei das Italienische dem Bayrischen in nichts nachstand, und dann geschah es. Während einer kurzen Gefechtspause lief Giovanni zu seinem Ofen, holte fünf unbelegte warme Pizzas heraus, stapelte sie auf dem Verkaufstresen übereinander, knallte noch eine ganze Salami am Stück daneben hin und forderte Max lautstark auf, sich seine bescheuerte Pizza doch gefälligst selbst zu machen. Der sah den tobenden Pizzabäcker erst einmal mit offenstehendem Mund an, dann konnte er einfach nicht mehr anders. Er musste lachen. Immer lauter. Giovanni stimmte nach einer Weile ein. Er zauberte von irgendwo eine Flasche Grappa hervor und sie tranken, bis sie leer war. Seitdem waren Max und sein Kollege Franz damals beinahe täglich bei Giovanni vorbeigekommen, um sich eine Pizza Salami zu holen. All ihren anderen Kollegen hatten sie den kleinen Pizzastand auch empfohlen. Das Weitere ergab sich zwingend. Giovannis Umsatz stieg, und Max und er wurden dicke Freunde.

Leseprobe >Alpengrollen<:

Sie hörte Schritte von weit her. Sehen konnte sie nichts. Der Sack, den sie ihr über den Kopf gezogen und am Hals festgeschnürt hatten, ließ das nicht zu. Nur für ihren Mund war eine Öffnung ausgespart, durch die sie ihr vor ein paar Stunden Wasser gegeben hatten. Und irgendeinen ekelhaften Brei. Wann genau das gewesen war, konnte sie nicht sagen. Sie hatte kein Zeitgefühl mehr. Wusste nicht, wie lange sie schon hier auf dem kalten Boden lag. Dass er feucht war und aus Stein oder Fliesen sein musste, konnte sie mit den Händen spüren.

Jetzt öffnete jemand die Tür. Ein eisiger Windhauch zog zu ihr herüber. Sie betete zu Gott, dass man ihr nicht wieder eine von diesen Spritzen gab, die sie so schwindelig machten. Und so müde. Ihre Arme und Beine taten weh. Die engen Fesseln schnitten in die Gelenke ein. Sie konnte sich kaum noch bewegen. Hatte immer wieder geweint in den letzten zwei Tagen. Sich immer wieder gefragt, wie sie nur in diese ausweglose Situation hatte geraten können. Doch so sehr sie sich auch den Kopf zermarterte, sie kam nicht darauf. Konnte sich lediglich daran erinnern, dass sie mit ihren Freundinnen beim Skifahren gewesen war. Auf dem Nachhauseweg am frühen Abend hatten sie dann im Eiscafé in der Stadt noch etwas getrunken. Und dann ... Nichts mehr ... Zappenduster. Als hinge ein dicker schwarzer Vorhang vor ihrer Erinnerung.

Schon eine ganze Zeit lang spürte sie ihre Füße nicht mehr. Jemand trat neben sie und redete in einer Sprache zu ihr, die sie nicht verstand. Der barsche Tonfall machte ihr Angst. Sie spürte wieder die Plastikflasche von vorhin an ihrem Mund. Schluckte gierig. Hatte großen Durst. Dann flehte sie mit zitternder Stimme blind in den Raum hinein, sie doch bitte, bitte wieder freizulassen.